Das New Yorker Künstlerkollektiv MSCHF macht immer wieder Schlagzeilen mit ihren konsumkritischen Werken, die online viral gehen und trotz ihrer eigenen Kritik oftmals in wenigen Minuten ausverkauft sind.
MSCHF, ein Kollektiv gegen den Rausch des Konsums
„Wir machen uns darüber lustig, wie sehr alles beschissen ist,“ mit diesen Worten beschreibt CEO und MSCHF-Gründer Gabriel Whaley im Gespräch mit Insider die Absicht hinter ihren Releases. Das Kollektiv nutzt diese, um die Konzepte unserer Gesellschaft zu hinterfragen. Dabei werden Humor und Sarkasmus zu Protagonisten ihrer einmaligen Werke.
Doch wer steckt hinter MSCHF?
Gegründet wird MSCHF offiziell 2019 von Daniel Greenberg, Gabriel Whaley, Stephen Tetreault, Kevin Wiesner und Lukas Bentel in Brooklyn, New York. Was die freundschaftliche Gruppe verbindet, ist die Begeisterung für alles Lustige, Kreative und die Lust zur Grenzüberschreitung. Dieses Ethos steckt bereits im Namen des Kollektivs: Bei MSCHF handelt es sich um eine Abwandlung des Wortes mischief, was auf Deutsch so viel wie schelmisch bedeutet. Ihrer gemeinsamen Gesinnung kommen die Freunde mit MSCHF nun nach und lassen sich dabei nicht nehmen, mittels Parodien Unternehmen und Gesellschaft kritisch zu beleuchten. Regeln zu brechen, ist dabei eine willkommene Herangehensweise.
Wie diese Parodien aussehen? Mal ist es „Hot Chat 3000“, eine Dating-Website, auf der KI die „Hotness“ des Users bestimmen soll. Ein anderes Mal sind es Schuhe mit Nike-Look – wahlweise mit Blutstropfen oder Weihwasser –, mal „Birkinstock“-Sandalen, mal eine Luxushandtasche im mikroskopisch kleinen Ausmaß. Alle diese Produkte nennt MSCHF „Drop“. Auch wenn diese nicht selten für mehrere tausend Dollar verkauft werden, gehe es dem Kollektiv bei den „Drops“ stets um das Statement und nicht um den Profit. In einem Interview mit der The New York Times sagte Gabriel Whaley in Bezug auf einer ihrer „Drops“: „Die Leute sagen: ‚Moment mal, warum habt ihr das nicht weiterverfolgt, ihr hättet so viel Geld verdient! Aber das ist nicht der Grund, warum wir hier sind.“ Seither entwickelt das Kollektiv immer wieder neue Produkte wie Schuhe wie die Big Red Boots, Taschen, Apps und mehr.
Big Red Boots, ein Meme to go
Darunter auch die „Big Red Boots“, die eher an Stiefel aus dem Anime-Cartoon Astro Boy als die reale Welt erinnern. Dank Stars wie Model Sarah Snyder, welche die Boots feiern und tragen, geht dieser Schuh sofort viral. Auch wenn die Stiefel aus TPU-Gummi mit einer EVA-Sohle sofort ins Auge springen, ist ihr Design ohne jegliche Details – schlicht und dennoch besonders. Das einzige Branding in Form eines minimalistischen MSCHF-Schriftzugs befindet auf der gerippten Sohle. Was genau hinter der Kreation des Meme to goes steckt, darüber streiten sich Social-Media-User auf der ganzen Welt. Gegenüber der New York Times währt MSCHF jedoch die online kursierende Interpretation, es handle sich um eine Satire, ab. Online verwies das Kollektiv im Tumult der Red Boots auf die ähnlich surrealen Armadillo-Schuhe von Alexander McQueen. Wie man es am Ende auch auffassen mag, die Absurdität von unpraktischen Hingucker-Stiefeln schwingt bei jedem Schritt in den Big Red Boots mit. Oder Big Black Boots, derzeit gibt es sie nämlich in Schwarz.
„Nike“-Sneaker aus dem Himmel und der Hölle
Ebenfalls für Aufsehen sorgte MSCHF 2021, als es von Nike verklagt wird. Der Grund: In Kooperation mit dem Rapper Lil‘ Nas X entwarf es „Satans Shoes2 mit symbolischen Teufelsanspielungen und angeblich menschlichen Blutstropfen. Da es sich um ein Redesign von Nikes Air Max 97 handelte, leitete der Sportgigant rechtliche Schritte ein. Für MSCHF kein großes Problem: „Wir sind ein großer Anhänger des Prinzips ‚Bitte um Vergebung, nicht um Erlaubnis'“, erklärte Creative Director Kevin Wiesner gegenüber der Times. Passend zu den Satans Schuhen fertigte MSCHF auch Jesus Shoes – statt Blutstropfen und Satans-Symbolik enthalten die Sneaker im „Nike Air Max 97“-Look religiöse Motive (Kreuze und Bibelverse) sowie Weihwasser in der Sohle.
MSCHF treibt Micro Bag Trend auf die Spitze
Kürzlich haben sie einen Micro Bag erschaffen, der kleiner als ein Meersalzkorn ist. Die „Microscopic Handbag“ verwandelt sich erst unter dem Mikroskop von einem grünen Krümel zu einer Miniaturversion einer Louis Vuitton Bag, genaugenommen der OnTheGo-Tasche. Doch was will das Künstlerkollektiv damit bewirken? Die 3D-gedruckte Mini-Louis zeigt überspitzt die Evolution des Micro Bag Trends: „Ein praktisches Objekt wird zu einem Schmuckstück reduziert, dessen vermeintliche Funktion sich in Luft auflöst“, erklärt das Kollektiv. Statt Dinge darin verstauen zu können, wie es in der Natur einer Tasche liegt, werde „nur noch ein Markensymbol“ herumgetragen.
Wie bei Nike soll das Künstlerkollektiv auch für ihre Version der Louis Vuitton keine Genehmigung der französischen Brand haben. Dabei könnte man fast schon meinen, es handle sich um eine PR-Aktion des Luxuslabels. Besonders wenn man weiß, dass der Verkauf des winzigen Kunstwerkes von 63.000 Dollar über das Online-Auktionshaus Joopiter gelaufen ist. Dieses wurde von dem Multi-Talent in Sachen Musik und Design Pharrell Williams ins Leben gerufen, der übrigens auch als Kreativchef für Louis Vuitton tätig ist. Doch wer MSCHF kennt, weiß, dass hinter der Micro Bag alles andere als eine Hommage an Louis Vuitton steckt. „Es ist das letzte Wort in der Miniaturisierung von Taschen“, bringt MSCHF diesen mikroskopisch kleinen „Drop“ auf den Punkt – oder besser gesagt auf einen hellgrünen Krümel.
Judith liebt das Leben mitten in der Metropole Köln. Ihr Gespür für spannende Storys führt sie regelmäßig zu außergewöhnlichen Themen mit aktuellem Zeitgeist. Schon seit ihrer Kindheit folgt sie ihrer Passion, dem Schreiben; seit zwei Jahren nun auch als Redakteurin. Besonders begeistern sie die Themen Psychologie, DIY und Yoga. Bereiche, über die sie als Online-Redakteurin schreibt und die sie gerne ihrer Freizeit ausübt. Ein Gespür für ästhetische Einrichtung besitzt sie bereits seit ihrem Studium im Bereich Design. Seither entdeckt sie immer wieder neue Design-Innovationen und einzigartige Architekturen, über die sie auf kronendach berichtet.